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Stratovarius – Nemesis

Kritik von: Janis Dinter
Album-Cover von Stratovarius’ „Nemesis“ (2013).
„Sie sind zurück – Besser als je zuvor!!“
Interpret: Stratovarius
Titel: Nemesis
Erschienen: 2013
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Nachdem vor einigen Wochen die EP namens „Unbreakable“ erschienen ist, legen Stratovarius nun nach und präsentieren ihr nigelnagelneues Studioalbum „Nemesis“. Wie bereits in den letzten beiden Alben zu erkennen war, ist die Band bemüht ihre Variante des Power Metal dahingehend zu verändern, als dass sie in einigen ihrer Songs einen modernen, fast poppigen Beiklang verleihen. Dieses Stilmittel fällt auf „Nemesis“ häufig auf und kann schon vorab als gelungene Idee gelobt werden.
Aber wir wollen ja Schritt für Schritt vorgehen: Der erste Song Abandon beginnt kraftvoll und leitet geschmeidig in die Gesangskünste von Sänger Timo Kotipelto über. Dieser Einstieg in das Album ist sehr straight, was eine angenehme Abwechslung zu den oftmals langweiligen Intros ist, die viel zu häufig Anwendung finden. Natürlich darf nach einiger Zeit auch nicht das Duett von Keys und Gitarre fehlen, die sich gegenseitig die Bälle zuwerfen und dem schnellen Song seine verdiente Krone aufsetzen. Als nächstes kommt der bereits erwähnte Song Unbreakable. Ähnlich direkt wie bereits sein Vorgänger ist er definitiv ein Song, der im Kopf bleibt und zum mitpfeifen animiert. Nichtsdestotrotz fällt der Single-Charakter auf, da besonders der Refrain äußerst poppig und linear daherkommt. Dasselbe werden sich wohl auch die Jungs von Stratovarius gedacht haben und prompt folgt im zweiten Teil des Liedes ein etwas härterer Teil, der die Metallerseele wieder versöhnlich stimmt. Halcyon Days hat einen etwas schmierig, kriechenden Unterton, der zuweilen an Tony Kakko’s neueren Stil bei Sonata Arctica erinnert. Doch während einen im einen Moment noch dieses Gefühl beschleicht, wechselt die Melodie schon wieder hin zu einem hymnischen Power Metal Song, der wieder besonders durch das Zusammenspiel von Keys und Gitarre glänzt. Ähnlich heroisch wie Halcyon Days klang, lautet der Name des folgenden Stücks: Stand My Ground. Doch wer hier ein typisches Power Metal Stück erwartet, der hat sich gründlich geschnitten, denn nun setzt zum ersten Mal der oben beschriebene moderne Einsatz von poppigen Klängen ein. Genauer gesagt handelt es sich um Keyboardklänge, die sehr an Dancepop aus der Disko erinnern, jedoch spätestens seit Amaranthe in Erscheinung getreten sind auch im Metal Verwendung finden.
Und tatsächlich ist die Verbindung mit vergleichsweise harten Metaltönen eine komplett neue und erfolgversprechende Idee. Auch wenn nach dem Intro dann wieder die rockigeren Klänge überwiegen, so ist der poppige Einfluss nicht zu leugnen und auch immer wieder zu hören. Anschließend erfährt das Album seinen ersten kleineren Tiefpunkt: Denn mit Fantasy kommt ein Song, der ins Deutsche übersetzt wie ein Kinderlied aus einem Rolf Zuckowski Album klingen würde. Auch der Instrumentaleinsatz kann nicht wirklich überzeugen. Außer einem kurzen Solo bleibt nichts, was musikalisch besonders auffällig wäre. Also leiten wir schnell über zu Out of the Fog, das wie eine Rückverwandlung gegenüber seinem Vorgänger wirkt. Viel basstöniger und bestimmter klingt dieser Song, weshalb sich die meisten Zuhörer wohl den Schweiß von der Stirn wischen und durchatmen werden. Die Finnen zeigen hier eindrucksvoll, was sie am besten können, nämlich kurzweiligen Power Metal.
Mit hallendem Chorgesang unterlegt rockt sich Timo Kotipelto durch den Song und nimmt gleich die ganze Band mit. In diesem Stück wird die Qualität der Soundabmischung besonders deutlich: Die glasklaren Vocals und die röhrenden Gitarrenriffs sind wirklich ein Genuss für die Ohren! Zusammen mit den aufwendigen Wechseln zwischen lauten und leiseren Parts ist dies definitiv der Grund dafür, warum Out of the Fog bis jetzt das Highlight des Albums ist. In der Folge klingt die außergewöhnliche Stimme des Sängers über ruhigem Klavierspiel. Doch selbst jetzt gibt sich die Band keine Pause, da der Song Castles in the Air sich im weiteren Verlauf zu einem ansehnlichen Hard Rock Stück entwickelt. Zwar nehmen Stratovarius hier für einen Moment etwas die Geschwindigkeit aus der Angelegenheit, doch heißt das ganz und gar nicht, dass die Musik darunter leidet – ganz im Gegenteil, denn somit betonen sie viel mehr die anderen Songs.
So zum Beispiel den folgenden Song mit dem Namen Dragons. Hier findet erneut der oben beschriebene neuartige Keyboardeinsatz Anwendung. Doch bis auf diese Neuerung dürften sich vor allem alteingesessene Stratovarius-Fans geschmeichelt fühlen. Der Sound kommt den alten Stücken, wie jenen auf „Episode“ sehr nahe. Die Double Bass Untermalung gibt Dragons eine kraft, die gut zu seinem Namen passt, und als sich das Lied nach einem langgezogenen Fade-Out dem Ende naht, möchte man am liebsten wieder von vorne beginnen. Doch das ist gar nicht nötig, denn mit One Must Fall kommt direkt der nächste Hard Rock Song, der es vermag den Zuhörer zu fesseln. Erneut fährt die Band die Geschwindigkeit herunter, doch wirkt die Reihenfolge der Songs sehr gut durchdacht und sinnvoll platziert. Ähnlich wie bei einem Konzert beginnt auch dieses Album mit überwiegend fetzigen, schnellen Songs, die gut dazu dienen, sich richtig schön auszutanzen. Danach folgt eine Passage, die zum Entspannen einlädt. Die große Kunst ist es allerdings, hier nicht den roten Faden zu verlieren. Und genau diese Kurve nehmen die Finnen mehr als gekonnt, mit all ihrer Erfahrung aus neunundzwanzig Jahren Bandgeschichte.
If the Story is Over erzählt eine tragische Geschichte aus der Ich-Perspektive und stellt ohne Zweifel den emotionalen Höhepunkt des Albums dar. Lediglich die Stimme von Timo Kotipelto sowie Klang einer akustischen Gitarre erzeugen über die erste Hälfte des Songs eine melancholisch, traurige Stimmung, die dann auch von der Band aufgegriffen wird, was den dramatischen Effekt perfekt macht. Definitiv ein Lied zum Verlieben, zum Lachen, zum Weinen. Einfach toll! Hier beweisen Stratovarius, dass sie zu den ganz Großen zu zählen sind, da sie eben nicht nur die schnellen und lauten Töne bis zur Perfektion beherrschen. Daher kommt das abschließende Lied auch etwas überraschend: Nemesis beginnt wie bereits frühere Songs des gleichnamigen Albums begonnen haben, nämlich schnell und kraftvoll mit einer klaren Dominanz der Keyboardtöne. Auch wenn dieses Lied genauso wenig als schlecht bezeichnet werden kann, wie zuvor das kritisierte Stück Fantasy, so bleibt doch die Frage, warum sich die Band dafür entschieden hat, nach einem solchen kolossalen Epos wie If the Story is Over noch ein eher mittelmäßigen Power Metal Song zu setzen. Schade, hier wären sie sicher besser beraten gewesen, eine andere Reihenfolge zu wählen.
Insgesamt jedoch verdienen die Jungs von Stratovarius ein ausgesprochenes Lob für dieses grandiose Album! Bis auf ganz wenige Einzelheiten ist ihr neues Album, das in diesen Tagen erscheint, ein voller Erfolg. Besonders positiv hervorzuheben ist der gezielte Einsatz von lebendigen Keyboardklängen, die dafür sorgen, dass sich die Band auch in Zukunft keine Sorgen machen muss, negative Kritiken darüber zuhören, dass man zu wenig Kreativität in die neuen Stücke stecken würde. Als eine der besten Neuerscheinungen, die ich seit langem hören durfte, wird „Nemesis“ bei mir in Zukunft wohl öfters die Wohnung beschallen und selbiges ist auch allen Leserinnen und Lesern dieses Reviews zu empfehlen.
Score: Hohe Kunst – 93%
 
Score:
93% Höchste Kunst!

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