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Nachbericht: Metal Female Voices Fest 2013

Autor: Khanh To Tuan
So ein Open Air Festival, das macht nur wirklich Spaß, wenn auch das Wetter halbwegs mitspielt. Im Sommer ist das alles mehr oder weniger kein Problem. Man erwartet keine Schneestürme, keinen plötzlichen Frost oder unwirtliche Sturmtage. Natürlich kann es mal zwischendurch regnen oder bewölkt sein, aber das ist dann doch meist eher nicht das allzu große Problem.
Wenn dann die fiese Natur ungefähr ab September/Oktober anfängt grün sprießendes Blattwerk in goldbraunes Laub zu verwandeln, dann weiß der geschulte Festivalbesucher eins: Es ist Zeit Richtung Süden zu ziehen! Doch bevor Zelt und Kutte für die Flucht gen Süden verpackt oder für das kommende Jahr eingemottet werden, steht traditionell das Metal Female Voices Fest im geografisch überschaubaren Belgien an.
Wie schon seit dem Jahr 2003, dreht sich das ganze Event rund um die Frauen der Metalszene. Namen wie Liv Kristine Lacuna Coil, Delain, Sharon den Adel, Leaves' Eyes, Serenity, Tarja, Floor Jansen, ReVamp, Anneke Van Giersbergen oder Stream of Passion ließen sofort die Herzen von Genrefans höher schlagen, als das Line-Up stand. Auch wir von Metal Trails konnten uns das Event nicht entgehen lassen, weshalb Khanh To Tuan in das Land von Napoleons größter militärischer Niederlage, der Heimat van Goghs und unserem direkten Nachbarn aufbrach, um live vor Ort für euch das Ereignis festzuhalten. Lest hier von seinen Erlebnissen!

Kurze Übersicht der diesjährigen Highlights:

Tag 1 - Freitag:
Maxi Nil (Visions of Atlantis) organisiert etwas ganz Besonderes, nämlich die Supergroup Eve's Apple! Sängerinnen des Female Fronted Metal aus aller Welt versammeln sich unter einem Namen um Klassiker des Rock zu covern und dem Publikum mächtig einzuheizen. Dabei sind einige Künstlerinnen sogar ganz alleine ohne Hauptband angereist, andere haben gar keine aktive Hauptband mehr. Also ein wahrer Geheimtipp für Fans die ihre Lieblingsband nicht im Line-Up sehen aber die Lieblingssängerin trotzdem live erleben möchten!
Tag 2 - Samstag:
Das Line-Up wird insgesamt von Symphonic & Gothic Metal dominiert, was sich auch an der ungewöhnlich hohen Konzentration von Sopranistinnen pro m² zeigt. Einige Bands stechen jedoch trotzdem hervor!
Imperia ließen zuletzt mit dem Compilation Album "Queen of Passion" von sich hören, nachdem das letzte Album "Secret Passion" schon 2011 erschien. Helena Iren Michaelsen versteht das MFVF jedoch als Startschuss für die nächste Runde. Mit echten Emotionen und viel Einsatz schließt die Band das Set mit "The Calling" ab, gewinnt das Publikum für sich und lässt schon auf das nächste Studioalbum hoffen!
Die Österreicher von Serenity sehen sich im Power Symphonic Metal und hätten vor einigen Jahren noch gar nicht ins Lineup gepasst, da die weiblichen Vocals eher Beiwerk zum Gesang von Georg Neuhäuser waren. Anfang des Jahres kam dann der Wandel: Clémentine Delauney komplettiert die Band als festes Mitglied, einige Songs werden kurzerhand umgestrickt und so erfüllt die Bands alle Aufnahmebedingungen. Bei so einer
Avantgardistisch geht es mit den Griechen Chaostar weiter: Mezzosopranistin Androniki Skoula kleidet sich ganz in Rot mit medusenhaftem Haar und verzaubert mit einem Metal irgendwo zwischen Oper und Klassik. Eine sehr eigenwillige Performance die nicht jedem zugänglich ist, jedoch viel Tiefgang aufweist.
Nicht ganz so ernst geht es mit den sympathischen Österreichern von Kontrust weiter. Agata Jarosz und Stefan Lichtenberger lassen die Lederhosen bei diesem Auftritt zwar im Schrank, sorgen aber mit einer kraftvollen Musik allerseits für gute Laune. Die Essenz von ihrem "Tribal Crossover" zeigt sich vor allem mit ihrer Hit-Single "Bomba" die das Tanzbein zucken lässt.
Leaves' Eyes darf beim Metal Female Voices Fest natürlich nicht fehlen. Um das Publikum auf das bald erscheinende Album "Symphonies of the Night" heiss zu machen, spielen sie als Premiere ganze 6 neue Songs! Untätig bleiben sie natürlich trotzdem nicht, denn Pläne für das nächste Album haben sie bereits gemacht. So darf man sich freuen, Liv Kristine und Alexander Krull nächstes oder übernächstes Jahr wieder mit neuem Material als Stammgast begrüßen zu dürfen.
Vorläufiger Höhepunkt des zweiten Tages sind ohne Zweifel Delain! Die Publikumslieblinge haben zwar wenig neues Material dabei, aber beweisen dafür Livequalitäten die ihresgleichen suchen. So wurde der Auftritt beim MFVF 2012 ohne große Vorbereitung mitgeschnitten und mit auf das Album "Interlude" gepresst. Als Special Guest des Abends gibt Sharon den Adel (Within Temptation) ihr Debüt beim MFVF! Bei "Restless" mit Martijn Westerholt am Piano lässt sich aber schon von einer Within Temptation Reunion sprechen, die Fanherzen höher schlagen lässt. Damit es Charlotte Wessels aber nicht zu einsam wird, kommt Georg Neuhauser (Serenity) noch mit auf die Bühne um Marco Hietala's Parts bei "Control The Storm" zu übernehmen. Um diesen ohnehin schon unglaublich starken Auftritt abzurunden, gibt es als Zugabe "The Gathering" und "We Are The Others". Die Fans sind zu Tränen gerührt und es spricht eigentlich nichts dagegen, Delain das nächste Jahr als Haupt-Headliner aufzustellen.
Den Abschluss des Abends machen Lacuna Coil mit ihrem kompletten "Karmacode" Album! Um das Nostalgiegefühl zu komplettieren, ziehen sich die Italiener ihre weissen schuluniformsartigen Tourklamotten von 2006 an, die glücklicherweise noch zu passen scheinen. Die Italiener wissen vor allem mit ihrer Gothic Metal Version von Depeche Mode's "Enjoy the Silence" zu überzeugen, jedoch zieht sich die restliche Setlist etwas in die Länge. Nach "Our Truth" geht die Truppe um Christina Scabbia und Andrea Ferro kurz von der Bühne, um sich wieder in die aktuelle schwarze Tracht zu schmeissen. Die Zugabe mit "Trip the Darkness", "Kill the Light", "Heaven's a Lie" und "Spellbound" belohnt das Publikum mit ausgelassener Feierstimmung. Wer es dann noch beim Merchandise Stand vorbeischaffte konnte auch noch "Karmacode" als Schnäppchen für 3,- Euro schiessen.
Tag 3 - Sonntag:
Sehr international geht es am Sonntag weiter. Dalriada aus Ungarn sorgen mit Folk Metal in ihrer Muttersprache anfangs für Verwirrung, aber überzeugen mit eingängigen Melodien und enthusiastischem Auftritt von Laura Binder. Man muss ja nicht immer mitsingen müssen, wobei es überraschend viele Besucher dennoch konnten. Dass sich die Band mal beim Eurovision Song Contest versucht hat, bleibt lieber vergessen, denn beim MFVF sind sie schon sehr gut aufgehoben,
Einige Besucher fragten sich auch sicher, warum überall kleine Päckchen mit Taschentüchern herumlagen. Liest man genauer was draufsteht, ergibt sich der Sinn: "Melancholic Gothic Metal from Japan - eleanor". Also eine leicht befremdliche Art die Werbetrommel zu rühren. "Eleanor" spielten eine Fusion von J-Rock mit Gothic Riffs und an Ryukyuan angelehnte Vocals von Sängerin Shiori Vitus. Eine ungewöhnliche Mischung, die in näherer Zukunft vielleicht einen zweiten Blick wert ist.
Deutlich härter wird der Ton mit Cadaveria, denn das aktuelle Album "Horror Metal" hat vor allem viele Black Metal Einflüsse und anstelle von Sopran gibt es Growls. Es wird also jeder Geschmack bedient!
Zum Ende des Abends ab 17 Uhr werden dann die großen Geschütze aufgefahren, die vor allem die Niederländer jubeln lassen: Stream of Passion haben ihr neustes Album gerade erst mit Crowdfunding finanziert und müssen daher noch alte Tracks von "Darker Days" spielen. Doch der Progressive Rock sowie Marcela Bovios gefühlvoller Gesang und Violine ziehen das Publikum dennoch in ihren Bann.
Unverwechselbar und voller Energie und Charme zieht Anneke van Giersbergen das Publikum direkt auf ihre Seite. Kraftvolle Melodien und eingängige Refrains von "Drive" laden zum Mitsingen ein während die Powerfrau über die Bühne tanzt. Von so viel Einsatz kann sich so manch anderer eine Scheibe abschneiden!
Nach so einer ausgelassenen Feierstimmung wird es wieder ernster, aber nicht minder intensiv. ReVamp eröffnet mit "The Anatomy of a Nervous Breakdown: On the Sideline" und spannt den Spannungsbogen ans Maximum. Als Floor Jansen (Nightwish) ganz in Rot gekleidet endlich die Bühne betritt merkt man, was für ein Momentum die Sopranistin in den letzten paar Jahren aufgebaut hat. Die Musik von “Wild Card” zeigt sich mit Death Metal Einflüssen härter, brutaler und vielleicht auch reiner als der typische Symphonic Metal des Festivals. Dabei lässt Floor es sich nicht nehmen, die Growls selber zu performen und beweist ihre Vielseitigkeit als Sängerin.
Stream of Passion und Anneke gingen richtig ab, bei ReVamp ist die Halle explodiert und als jeder dachte dachte es geht nicht mehr, hat Tarja noch einen draufgelegt. Einfach unglaublich, was die Frau für eine Präsenz in der Szene hat. Als Abschluss des Abends haben Floor Jansen und Tarja zusammen im Duett das Nightwish Cover von "Over The Hills And Far Away" performed.

Als Besucher:

Als Festivalbesucher erlebte man eine sehr entspannte Atmosphäre. Die Oktoberhallen sind eher eine größere Schützenhalle. Gedrängelt wurde absolut nicht und zwischen den Gigs hat sich das Venue bis auf die ersten fünf Reihen geleert. Es gab auch einige Rollstühle im Publikum, aber für die gab es wohl keinen eigenen Balkon. Mit dem Fotopass konnte ich aber auf den Garderobenbalkon gelangen, sozusagen VIP Loge :)
Des weiteren gab fest installierte Toiletten für Besucher die Geld gewillt waren einige extra Groschen locker zu machen. Die Toiletten im VIP Bereich waren jedoch kostenfrei. Doch es gab aber sehr viele Leute mit VIP-Pässen, grob geschätzt würde ich auf 50-100 tippen. Der Reiz vom VIP Ticket ist wohl, dass die Künstler beim Bierholen und Toilettengang zwangsweise in die VIP Area müssen und immer von Fans für Bilder abgefangen wurden.
Getränke gab's für Marken oder im VIP-Bereich direkt für Bargeld (2,5 Euro Softdrink/Bier). Essenstechnisch nicht unbedingt viel Auswahl aber war annehmbares Zeugs, drinnen Sandwiches plus Würstchen, draußen stand eine Frittenbude, BBQ-Grills und "Simple Italian" (Pasta mit Bolognese, Pesto, …) konnte auch erstanden werden.
Die Preise waren moderat:
Pommes: 3€
Würstchen: 1,5€
Pasta: 5€
Das Line-Up macht die Anziehungskraft vom diesjährigen Festival aus, weshalb Leute aus der ganzen Welt herkamen. Zumindest habe ich neben Europäern ein paar Kanadier und auch Amerikaner getroffen. Wieze an sich ist schon etwas weiter weg von der Autobahn, aber das Festival ist jetzt nicht so groß, dass der Verkehr zusammenbrechen würde. Morgens/Abends konnte man fast komplett alleine auf den Landstraßen zwischen Wieze und Sint-Niklaas hin und her fahren.
Es gab vor Ort auch nur eine Bühne, was die Sache schon viel angenehmer macht als dauernd hin und her zu hechten. Der Sound war insgesamt ziemlich gut, man konnte im Publikum sogar auf Ohrstöpsel verzichten.
Eine Sache, die man schwer als gut oder schlecht klassifizieren kann ist, dass am letzten Tag die Auftritte sogar schneller als der offizielle Zeitplan forderte starteten (ca. 10-15 Minuten). Einerseits gibt es so keine nervig überlangen Pausen, aber andererseits muss man schon Bescheid wissen, sonst verpasst man schnell mal seine Lieblingsbands ... naja, aber am Ende mussten sowieso alle auf Tarja warten die "pünktlich" eintraf und noch ein Photoshooting gemacht hat.

Aus Sicht der Presse:

Anfangs hab ich noch ein Presseausweis gekriegt, der war aber nur für die VIP Area gültig. Macht schon Welten Unterschied wenn man nicht 14 Stunden in der ersten Reihe stehen will um gute Bilder zu machen. Mit dem FOTOpass konnte ich tatsächlich in den Graben und auch in die Backstage, wenn der richtige Türsteher da stand. Seine Kaffepausenvertretungen wollten mich nicht reinlassen. Wollte das auch nicht eskalieren sondern hab gewartet bis der Kollege wieder da war.
Die Pressearbeit vor Ort war gut organisiert und strukturiert. Den Napalm Promoter Mike habe ich irgendwann zufällig gefunden - keiner wusste wer das sein soll - und er hat dann die Interviewtermine verteilt, 10 Minuten für jeden. Auch bei den restlichen Agenturen und Tourmanagern lief die Organisation vor Ort wie ein perfekt funktionierendes Uhrwerk. Bei vielen Bands, mit denen nur eine lockere oder gar keine Zeit vereinbart war, konnte man sich vor Ort melden und eh man sich versah, war das Gespräch auch schon im Kasten. So unkompliziert läuft das Prozedere in der Regel ja leider nicht ...
Was jedoch als etwas bitterer Nachgeschmack hängen bleibt: Die ersten beiden Lieder von Lacuna Coil blieben die Lichter fast komplett aus, es gab nur so ambient Light und ab und zu Strobo. Ich weiß nicht, ob das Absicht war, denn erst im dritten Lied wurden die Artists beleuchtet. Im Fotograben waren Emotionen wie Frust, Wut und Depression zu sehen ...
Autor: Khanh To Tuan

Kommentare von Besuchern

27. Oktober 2013, 19:53
Terry Frederick sagt:
It sounds like this was a spectacular event. So soory to have missed it - but maybe next year? Thanks for the news.

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